Ivo Donev on Intellipoker

Wie ein Weltmeister zwei Live Turniere gleichzeitig spielt…oder zwischen beide Stühle fällt…


Hallo liebe Leser,
ich fühle mich in Las Vegas von guten Cashgames und Turnierangeboten nahezu erdrückt und es bleibt mir ganz wenig Zeit, um meine Berichte zu schreiben.
Nachdem ich mich in Las Vegas akklimatisiert hatte, begann ich die Turniere bei der WSOP zu beobachten und stellte fest:
a) Die Turniere mit kleineren Buy ins mit 1000 und 1500: Gigantische Felder voll mit vielen schwachen Spielern, die jederzeit bereit zum Gambeln sind und dazu eine sehr schnelle (schlechte) Struktur!
b) Die Turniere mit großen Buy ins ab 5000 aufwärts: Kleinere Felder aber dafür überwiegend mit Top Spielern besetzt. Logischerweise ist hier die Turnierstruktur ist am besten.
c) Die Turniere mit mittleren Buy 2000 – 3000: Nicht so große Felder so um die 500 bis circa 800 Spieler, die Teilnehmer hier sind bunt gemischt mit vielen Profis und einigen Fischen.
So hatte ich für mich dann festgestellt, dass die Turniere in der Gruppe c) besser zu mir passten.
Mein Tag beginnt immer mit einer Stunde Fitness, dann schwimmen, schnell ist es dann immer Mittag, wo die meisten Turniere hier starten und dauern bis spät in der Nacht…
Event 44 Mix Holdem – 24 Juni 2010
Pro Level: 30min Limit und 30min No Limit; 507 Teilnehmer, 2500$ Buy in, 7500 Startchips.
Ich lande am Tisch zwei im Pavillon – Weiß im Rio. Mein Parkplatz ist Seat zwei, und an meinem Tisch glänzen mehrere Gold Bracelet Gewinner: auf Platz neun Michael Mizrachi, Platz vier Greg Mueller, Platz sieben Mark Seif, also ein harter Job für Ivo; mit den Big Boys den ganzen Tag Poker zu spielen ist nicht gerade so lustig.

Für Mark Safe und Michael Mizrachi war noch im Level 2 und 3 das Turnier zu Ende. Beide hatten erfolglos gegambelt und den kürzeren gezogen, dieses Geschehen hat irgendwie unseren Tisch für die Teilnehmer erleichtert.
Der überlastete Greg :
Bald hat sich herausgestellt, dass Greg Müller (übrigens hat er 2 goldene Bracelets in 2009 gewonnen) nur bis 15 Uhr (also nur 3 Stunden) spielen konnte, weil er dann seinen Tag 2 beim HORSE Event spielen wollte. Greg (lebt in Canada) spricht ausgezeichnet deutsch, weil seine Frau aus Deutschland kommt. Er erzählte mir seinen Plan. Beim HORSE (10k Buy in) hatte er unter Average Stack und somit versuchten er hier bis 3 p.m. sein Stack aufzubauen, dann ging er zum HORSE, um dort Vollgas zu geben, mit der Idee entweder auszuscheiden oder sich zu verdoppeln. In den Pausen (alle zwei Stunden sind 20 min Pausen einngelegt) kam er zurück zum Mix Holdem Event und wollte hier das gleiche versuchen. Wenn er lange bei einem Turnier fehlte, wurde sein Stack einfach von den Blinds gefressen. So was online zu tun, wäre gar kein Problem aber live…hm, die beiden Turniere sind im Rio aber leider in verschiedenen Sälen, das HORSE Event im Amazon Room und das Mix Event im Pavillon Weiß, einige hundert Meter voneinander entfernt.
So genau um 15h nach Level 3 hatte Greg uns verlassen (sein Stack um die 7 000) und war zum HORSE gegangen. Nach circa zwei Stunden ist Greg wieder zu uns gekommen, inzwischen war sein Stack auf circa 3600 geschmolzen. Er spielte ein paar Hände und…hatte sich verdoppelt. Greg erzählte mir, dass er beim HORSE seinen Stack ebenfalls ordentlich aufgebaut hatte,von 30 000 auf ca. 100.000. Wow, dachte ich, da bin ich aber einmal gespannt, in welchem der beiden Turniere er am weitesten kommt. Das gab es noch nie in die WSOP Geschichte dass jemand zwei Turniere gleichzeitig spielte und bei beiden das Final Table erreicht hatte!!
Bald war Greg wieder zum HORSE gegangen, das offensichtlich wichtigere Turnier (naja mit 4-fach größerem Buy in) für ihn. In den nächsten paar Stunden kam Greg immer nur sporadisch für kurze Zeit zu uns und wie in einem Tornado verschwand er dann wieder.
Level 7 NL Holdem, Blinds 200/400 und 50 Ante. Greg war wieder einmal da und ich sah, dass er förmlich die Schnauze voll hatte von dieser stundelangen Qual des Marathonlaufens. Sein Stack war 6800 und er pushte UTG All in. Alle foldeten sofort bis zu mir. Ich sah in meine Karten: pikKpikQ und hatte ein ordentliches Stack 23500. Hm, was blieb mir zu tun?
a) Von einer Seite gegen UTG-Raise war pikKpikQ eine sehr schwache Hand, weil sie oft dominiert wird, z.B. normalerweise kommt ein UTG-Raise von einem vernünftigen Paar oder einem Ass mit gutem Kicker.
b) Wenn man sich auf der anderen Seite die Hand-Range von Greg vorstellen konnte…sie ist extrem groß. Es war offensichtlich, dass er bereit war zu gambeln. In diesem Fall würde ich mit meinen pikKpikQ Favorit sein.
Ich callte, der Big Blind foldete, und wir standen zu zweit vor dem Showdown. Ich pikKpikQ Greg …..Herz7karo2 ! Am Bord erschien ein Krot, und dann bedankte sich Greg und äußerte sich, dass er froh sei, dass ich ihn von dieser „Marathon-Man“-Qual befreit hatte, jetzt könne er sich voll dem HORSE Turnier widmen.
Leider war Greg auch beim HORSE als 38. kurz vor dem Geld ausgeschieden.
Hier eine Schlüsselhand am Ende des ersten Tages.
Level 9, NL Holdem 400/800, Ante 100. Alle foldeten bis zum Cut off – Dani Stern, ein Onlineprofi, der wie immer in später Position (besonders wenn ich im Blind war!) raiste, und zwar 2000. Der Button und SB foldeten brav. Ich schaute im BB meine Karten an: ArotJrot, eine sehr gute Hand gegen Raiser in später Position. Da ich out of Position war wollte ich den Pot gleich gewinnen und reraiste auf 7000, damit wollte ich große Stärke zeigen. Leider hatte mein Gegner mein Angebot falsch interpretiert und mit dem Hammer zugeschlagen: 26 000 all in! Wow, das war fast 80% von meinem Stack. Diese junge Poker Generation ist wirklich furchtlos! Was konnte er haben? Hatte er wirklich eine so starke Hand oder wollte er mich einfach erschrecken? Ich begann zu grübeln, sicher über 2-3 Minuten. Je mehr ich grübelte um so mehr dachte ich, dass meine Hand in dieser Situation sehr gute Chancen hatte. Schlussendlich und mit Bauchschmerzen callte ich. Showdown ich ArotJrot er…….Arot9blk. Eddy Scharf vom Nachbartisch war als Zuschauer gekommen. Ich drehte mich um und hörte nur ein lautes „WOW“. Eddy sagte mir: leider hast du kein Glück, und was ich auf dem zu Bord zu sehen bekommen sind vier Fünfen, also Splitpot.
Positiv denken! – Splitpot ist immer noch besser als mit Pech zu verlieren.

Von meiner Sicht aus hatte ich einen relativ guten Tag gehabt, jedoch mit einigen Fehlern, aber trotzdem Tag 2 mit 37.000 bei 69 verbliebenen Spielern erreicht.

Fortsetzung folgt.

Euer Ivo,,The Chess Master

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