Ivo Donev on Intellipoker

Der größte Fehler, den ich bei einem WSOP Limit Event gemacht habe!


Hallo liebe Leser,

weil NL Holdem seit Jahren die beliebteste Variante im Poker ist, können viele junge Spieler Limit Holdem nicht besonders gut kennen. Für mich war so zu sagen Limit Holdem die Grundpokerschule und NL die Hochpokerschule.
Unterschiede im Limit Poker und NL Poker
Hier die größten Unterschiede zwischen den beiden Spielen…

a) ein großer Vorteil von Limit Holdem (falls ich nicht Short Stack bin) ist, dass es fast nicht möglich ist, in einen großen Bad Beat zu rennen und Pleite zu gehen.

b) ein großer Nachteil bei Limit Holdem: Man kann die eigene Hand  meistens mit einer Wette nicht erfolgreich schützen, denn man darf nur einen Big Bet machen und die Gegner erhalten meistens gute Pot Odds.
Meiner Meinung nach beim Limit Holdem:
c) der Wert des Bluffs fällt ab
d) der Wert der Psychologie ebenfalls
e) der Wert der Mathematik und der Pod Odds steigt rauf
Bei No Limit :
c) der Wert des Bluff steigt rauf
d) der Wert der Psychologie steigt rauf
e) der Wert der Mathematik und Pod Odds fällt (teilweise) ab
Die Fakten:
9. Juni 2010, Las Vegas, WSOP Event 18 Limit Holdem 12h Mittag, 2000 $ Buy , 475 Teilnehmer, 4500 Start Chips, 1Stunde Level Tag 1
Mein größter Fehler –  an der falschen Stelle gespart!

Ende Level 8, die Blinds 400/800. Das ist für Tag 1 der letzte Level.
Ein Mexikaner, ein nicht besonders erfahrender Spieler, raist in früher Position auf 1600, alle foldeten zu mir im Big Blind, ich finde , eine gute Hand in Limit Holdem, um die Blindes zu verteidigen. Call. Der Flop bringt  Rainbow. Ich checke, er wettet 800 in einen Pot von 3600. Da ich außer Overcards  auch noch eine offene Straße auf zwei Seiten (double Belly Buster) King oder 9 habe, ist ein Call das Minimum in dieser Situation.Call. Der Turn bringt eine . Ich checke, mein Gegner ist aber nicht zu bremsen und wettet 1600, ich verlange mehr, nämlich 3200, und er ist sekundenschnell mit meinem Betrag einverstanden. Und so haben wir zu zweit den lustigen River –  gesehen. Wow, verdammt diese Dame am River hat meine Straße kaputt gemacht. Jetzt kam wie eine lästige Fliege der Gedanke in meinen Kopf, dass mein Gegner irgendeine Hand mit  haben könnte wie ,  …. also  checkte ich, und der unbekannte Mexikaner feuerte sofort 1600 in den Pot. Ich dachte ganz kurz nach und …. dann  foldete ich enttäuscht. Um mich zu beruhigen zeigte der Mexikaner ganz stolz ein Paar verdeckte Damen und er zeigte mir noch mit dem Finger die dritte Dame am Bord. Wow, jetzt schnallte ich dass er die Straße nicht gesehen hatte und für Value seine drei Damen wettete, nicht K hoch Straße wie ich vermutet hatte.
Trotzdem hatte ich einen großen Fehler gemacht. Ein wenig Licht durch die Mathematik:
Im Pot waren 2×5600 + sb400 =11600. Er wettet am River 1600 und somit gab er mir die Pot Odds 1600 fuer 13200, also mehr als 1 zu 8. Aber wenn ich zahlte  kann  ich nicht gewinnen sondern den Pot teilen, weil eine Straße mit 5 Karten am Board lag, die ich nicht verbessern konnte! Dadurch halbierten sich die Pot Odds (1600 zu zahlen um 6600 zu gewinnen, also circa 1 zu 4).
Also wenn ich calle, dann reicht es, dass mein Gegner 1 von 4 mal die Straße nicht verbessern kann oder so zu sagen 1 von 4 mal mein Gegner im Bluff erwischen!
So dachte ich auch, dass mein Gegner nie am River bluffen würde, und trotzdem im Limit Holdem mein Call eine Pflicht war. Leider hatte nach 10 Stunden meine Konzentration schon etwas nachgelassen und ich machte den größten Fehler im Limit Holdem – Fold am River, wenn ich nicht verlieren kann.

FAZIT: Im No limit Holdem ist es möglich, am River zu bluffen, wenn eine Straße auf dem Board liegt, weil man einen großen Betrag setzen kann. Im Gegenteil zum Limit Holdem ist es am River sehr schwer zu bluffen, weil man nur ein Big Bet setzen kann und der Gegner ausgezeichnete Pot Odds bekommt.

Schlussendlich: Kein Pokerspieler ist gegen Fehler versichert. Sehen sie selbst: Sogar Phil Ivey beim WSOP 2009 hatte eine Gewinnhand am River nach dem Showdown verdeckt weggeschmissen, weil er sie einfach übersehen (Flush) hatte.Aber sehen Sie selbst:

Trotz diesem Fehler konnte ich Tag 1 erfolgreich mit 50 400 als 11 Chipleader beenden.

Meine Begegnungen mit dem neue Limit Holdem Champ:

Tag 2, ich war mit Erich Buchman oft an einem Tisch.(am Tag 2 habe ich 4 mal Tische wechseln müssen). Alle foldeten zu ihm am Button und er wiederholte sein Lied, nämlich Raise, Raise, Raise wie eine kaputte Schallplatte.

Vor dem Flop: SB foldete und sehe im BB 2 hübsche herzige . Call.
Der Flop war sehr angenehm mit  , ich checkte, er Conti Bet, ich raiste, er Call.
Der Turn: , ich checkte, er wettete, ich raiste, er foldete nach kurzer Überlegung.
Viele werden denken, ja  ich hätte auch so gespielt. Es ist ja auch nicht schwer mit drei  so zu spielen.

Hm, jetzt wollen wir in meine Gedanken gehen. Habe ich vielleicht irgendwo einen Fehler gemacht? Könnte ich irgendwo mein Spiel verbessern und noch mehr aus dieser Situation herausholen?

Vor dem Flop: Na ja, mit Pot Odds 1 zu 3,5 ist mein Call mit Suited Connectors Pflicht, keine Frage. Der Button kann am Stehlen sein und sogar, wenn er As hoch oder 2 Bild- Karten hat, die Odds geben mir recht zu callen.
Am Flop:  hatte ich voll getroffen und jetzt dachte ich, gegen aggressive Gegner kann man wetten oder checken. Beide Optionen sind gleichwertig. Wenn ich checke bekomme ich fast 100% ein Conti Bet von Eric Buchman
Dann nach seinem Conti Bet: Raisen ist eine gute Idee gegen starke, aggressive Spieler, weil er  einfach nicht so leicht seine Hand aufgibt. Anders wäre es, wenn ich einen ängstlichen, geradlinigen Spieler als Gegner hätte. Dann würde  ihm mein Chek Raise am Flop eher zum Folden bringen.
Eric callte schnell meinen Raise, das bedeutete, dass er mir nicht glaubte.

Turn: Ass. So, wenn ich checke wird er wieder 100% wetten. Warum? Weil:

a) entweder hat er eine Ass in seinen verdeckten Karten und jetzt denkt er die beste Hand zu haben
b) oder er hat kein Ass in seinen verdeckten Karten, aber als Pre Flop Raiser wird er, wenn ich checke,  wetten, um das Ass zu repräsentieren

Gedacht getan, ich checke und er feuert den erwarteten Turn  Big Bet.
Jetzt raiste ich und ….er foldete. Scheint alles in Ordnung zu sein, oder?
Falsch! Hier ist mein Fehler!
Wenn er kein Ass hat ist er 100% Fold nach meinem zweiten  Check-Raise. Wenn er aber ein Paar Asse getroffen hatte und ich ihn zum zweiten mal checkraise, wird ein guter Spieler das faule Ei riechen und …wieder folden.
Der richtige Spielzug am Turn wäre, sich passiv zu verhalten, z.B: check-call am Turn und check am River. So verleite ich ihn zu denken, dass sein Ass-Paar gut sei und kassiere am River noch einen Bet. Falls er kein Ass hatte sondern 2 hohe Karten wird er wahrscheinlich bluffen, verleitet von meiner gezeigten Schwäche – zwei mal Check am Turn und River
Level 17. Blinds 3000/5000, die letzten 3 Tische. Ich war short-stack mit 30 000. Jetzt brauchte ich Glück, um zu Überleben. Wenn man so short ist, ist es nur eine Zeitfrage, wann du von einer schwächeren Hand ausgesuckt wirst.
Ich bekomme UTG , und das Raise ist Pflicht: 10 000, alle foldeten bis zum BB, der nach langen Überlegungen mit meinem Angebot einverstanden war. Der Flop , er checkte sofort, ich machte logischerweise Conti Bet, er raiste mich, ich stand vor einer schweren Entscheidung.
zu folden und mit extremen Short Stack 15 000 weiter zu kämpfen
zu reraisen um eine hohe Paar zu repräsentieren. Als Nothilfe hoffen, dass ich mich mit meinen Overkarten am Turn und River verbessern könnte.Ich wählte Variante b und bald war ich All in.

Beim Showdown nach diesem Flop war ich klar Außenseiter mit  gegen . Turn  River  So hatte als 26 Platz (6200 $) dieses schöne Turnier beendet.

Als im Turnier nur 3 Tische waren,saß  zu meiner Rechten Jeff Shulman, der letztes Jahr im Main Event fünfter wurde.
FAZIT:Limit Holdem ist ein Spiel, in dem jede einzelne Wette wichtig ist. Bei No Limit zählt man die Pots und ihre Größe, beim Limit Holdem jede einzeln Wette!

Regards from Las Vegas:Euer Ivo,,The Chess Master” Donev

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